Warum ein repariertes Auto weniger wert ist
Beim Verkauf musst du einen Unfallschaden offenlegen. Ein Käufer, der die Wahl zwischen zwei gleichen Fahrzeugen hat, nimmt das ohne Vorgeschichte oder verlangt einen Abschlag. Dieser Abschlag entsteht unabhängig davon, wie gut die Werkstatt gearbeitet hat. Er hängt nicht an der Qualität der Reparatur, sondern an dem, was im Fahrzeugleben dokumentiert ist.
Weil dieser Verlust real ist und auf den Unfall zurückgeht, haftet die Gegenseite dafür zusätzlich zur Instandsetzung. Das ist keine Kulanz, sondern Teil des Schadens. Der Anspruch besteht auch dann, wenn du gar nicht verkaufen willst, denn der Wert deines Vermögens hat sich am Tag des Unfalls verringert.
Wie der Betrag hergeleitet wird
Maßgeblich sind mehrere Größen zusammen: Alter und Laufleistung des Fahrzeugs, sein Wert vor dem Unfall, der Umfang des Schadens und die Frage, ob tragende Teile betroffen waren. Ein Streifschaden an einer Tür wirkt anders als ein Aufprall, bei dem der Längsträger vermessen werden musste. Anerkannte Rechenmodelle geben dafür einen Rahmen vor, innerhalb dessen der Sachverständige den Fall einordnet und die Einordnung erklärt.
Diese Erklärung ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob gezahlt wird. Eine Zahl ohne Herleitung wird gekürzt, sobald ein Sachbearbeiter darüber schaut. Eine Zahl mit nachvollziehbarer Begründung lässt sich hingegen Punkt für Punkt verteidigen und eine Kanzlei kann damit sofort weiterarbeiten, falls es doch zum Streit kommt.
Wann sie anfällt und wann nicht
In aller Regel fällt sie an, wenn das Fahrzeug nicht zu alt und der Schaden nicht ganz klein ist. Früher galten starre Grenzen von fünf Jahren oder hunderttausend Kilometern. Sie sind überholt, weil Fahrzeuge heute länger halten und der Markt das einpreist. Entscheidend ist der konkrete Fall, nicht eine Faustregel aus den Achtzigern.
In den drei Akten auf dieser Seite steht jeweils ein merkantiler Minderwert von 50 Euro, und zwar bei sehr unterschiedlichen Fahrzeugen: einem Kangoo mit 166.961 Kilometern, einem Touran mit 337.079 und einem Insignia mit 196.344. Dass dreimal derselbe Betrag herauskommt, ist Zufall und kein Rechenschema. Es zeigt aber, dass die Position auch bei hoher Laufleistung nicht automatisch entfällt.
Was passiert, wenn sie im Gutachten fehlt
Dann wird sie nicht gezahlt. Keine Versicherung weist von sich aus auf eine Position hin, die niemand geltend gemacht hat. Der Betrag ist nicht verloren, solange die Ansprüche nicht verjährt sind, aber ihn nachträglich durchzusetzen bedeutet ein zweites Gutachten und meist einen Anwalt. Beides kostet Zeit, die man sich mit einem vollständigen Dokument von Anfang an spart.
Das ist auch der Grund, warum ein auffällig günstiges Honorar kein gutes Zeichen ist. Fehlen Wertminderung oder Nutzungsausfall im Gutachten, ist die Rechnung des Sachverständigen niedriger und deine Auszahlung ebenfalls. Die Differenz bei den Positionen übersteigt die Ersparnis beim Honorar regelmäßig um ein Vielfaches.
50 €
merkantiler Minderwert in allen drei Akten auf dieser Seite
337.079 km
Laufleistung des Touran, bei dem sie trotzdem angesetzt wurde
zusätzlich
zur Instandsetzung, nicht statt ihr
Häufige Fragen
Bekomme ich die Wertminderung auch ohne Reparatur?
Ja. Grundlage des Anspruchs ist der Schaden, nicht die Werkstattrechnung. Lässt du dir den Betrag auszahlen statt instand setzen, bleibt die Wertminderung bestehen und wird zusätzlich ersetzt.
Zählt ein Bagatellschaden auch?
Bei sehr kleinen Schäden, die nur die Lackierung betreffen, fällt in der Regel keine Wertminderung an, weil ein solcher Schaden beim Verkauf nicht offenbarungspflichtig ist. Sobald Teile ersetzt oder gerichtet werden, sieht das anders aus.
Mein Auto ist zwölf Jahre alt. Lohnt das noch?
Das lässt sich nur am Fahrzeug beantworten. Die alten Altersgrenzen gelten nicht mehr starr. Auf dieser Seite steht ein Kangoo von 2008, bei dem 50 Euro angesetzt wurden. Ob es sich in deinem Fall lohnt, sagen wir dir am Telefon, bevor wir losfahren.